Befruchtung:

Immer mehr Lesben wollen eigene Kinder. Dieser Wunsch kann jedoch nicht ohne ziemlich viel eigenes Zutun realisiert werden. Das Projekt 'Wunschkind' hat so manche Hürde zu nehmen... technische ebenso wie emotionale.

Spendersuche


Eigentlich ist ja ganz einfach: Eizelle und Samenzelle müssen zu einem bestimmten Zeitpunkt zueinander finden. Für Lesben stellt sich nur das Problem, woher sie Sperma bekommen bzw. welches Sperma sie wollen. Aus den bisherigen Erfahrungen gibt es diesbezüglich mehrere Möglichkeiten, die wie immer ihre Vor- und Nachteile haben: Ein Freund, Bekannter oder auch ein Bruder der Lebensgefährtin spendet Sperma.
Oft ist dieser Weg die erste Idee zur Lösung des Problems. Sie hat den Vorteil, dass der Spender bekannt ist, die Identität klar ist und frau gesundheitliche Risiken etwas besser einschätzen kann. Auch die indirekte Verbindung zur nicht-biologischen Mutter, also das fast gemeinsame leibliche Kind, ist für Frauenpaare eine Riesenmöglichkeit. Die Chance, dem Kind später den biologischen Vater vorstellen zu können, spricht ebenfalls für diese Methode. Allerdings sind nicht viele Männer zu einer solchen Spende bereit. Ein unkalkulierbares Risiko stellt die Beziehungsentwicklung aller Beteiligten bis hin zu unvorhersehbaren Ansprüchen des biologischen Vaters an das Kind, gegenüber keinen Ansprüchen der nicht-biologischen Mutter. Konflikte sind vorprogrammiert, so dass dieser Weg von allen Beteiligten ein Höchstmaß an Auseinandersetzungsbereitschaft erfordert.
Der Spermienmix von mehreren bekannten Männern ist eine andere Variante, die allerdings auch nicht vor späteren Ansprüchen der vermeintlichen biologischen Väter schützt. Inzwischen gibt es auch schon Agenturen, die Lesben mit Schwulen zusammenbringen, die auf welche Weise auch immer, Kinder möchten bzw. Samenspender sein möchten. Den Beziehungsmöglichkeiten sind hier keine Grenzen gesetzt, Kreativität, Belastbarkeit und ein hohes Maß an Auseinandersetzungsfähigkeit ist gefragt.

Samenbanken


Eine andere distanziertere Form ist die Spermaspende aus einer deutschen oder z.B. holländischen Samenbank. Während dies in Deutschland eher über FrauenärztInnen funktioniert, können sich deutsche Frauen bisher noch in Holland direkt Sperma und das entsprechende Instrumentarium besorgen.
In Holland gibt es bekannte und unbekannte Spender. Unter bekannten Spendern werden Männer verstanden, die einverstanden sind, dass das Kind, wenn es will, mit 16. Jahren Kontakt zum Spender aufnehmen kann (die Mütter können die Identität nicht erfahren). Dies kann ein ganz wesentlicher Punkt in der psychischen Entwicklung des Kindes sein.

Kosten Die einzelne Samenspende kostet zwischen 35-150 Euro, die Spender werden umfangreich medizinisch untersucht. In Deutschland gibt es offenbar einige wenige GynäkologInnen, die Kontakte zu Samenbanken herstellen und Inseminationen (Sperma in die Scheide vor den Muttermund bringen) durchführen. Dies findet allerdings im juristischen Graubereich statt, theoretisch ist es möglich, später Unterhaltsansprüche an die ÄrztInnen zu stellen.

Insemination


Wenn nun das Sperma da ist, geht es darum, den Eisprungtermin (Ovulation) bei der Frau, die schwanger werden soll, festzustellen, da die Insemination am besten 1-2 Tage vor der Ovulation stattfinden sollte. Dies liegt an der gegenüber dem Ei (12 Stunden), längeren Funktionsfähigkeit des Spermas (bis 3 Tage). Bei Frauen mit regelmäßiger Menstruation alle 28 Tage, ist dies ca. der 14. Zyklustag, ausgehend vom ersten Blutungstag (Menstag). Grundsätzlich kann der Ovulationstermin am besten mittels gynäkologischem Ultraschall über die Messung der Eibläschengröße festgestellt werden.
Diese Insemination kann das Paar selbst durchführen, es geht lediglich darum, das Sperma möglichst zum richtigen Zeitpunkt nahe an den Muttermund zu bringen. Es gibt auch die Möglichkeit der Spermaplazierung im Gebärmutterhals bzw. in der Gebärmutter, dies sollte aber, da nicht ganz ungefährlich, nicht selbst durchgeführt werden.
Wenn kältekonserviertes Sperma verwendet wird, liegt die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft, in Abhängigkeit vom Alter der Mutter, bei ca. 11 % pro Versuch. Aber bitte dadurch nicht abschrecken lassen, die Quote liegt bei heterosexuellen Paaren auch nur bei 20% pro Versuch.
Die Umsetzung des Kinderwunsches erfordert Behutsamkeit und Frustrationstoleranz von beiden Müttern und sollte nicht zum Selbstzweck werden. Also auf jeden Fall mehrere Versuche einplanen und mit viel Lust und Zeit an die Sache herangehen.
Viel Erfolg!
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